Krönungshandschuhe des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation
von Ute Meinke
Staufersaga-Verein (ssv). Die originalen Krönungshandschuhe sind Teil des Krönungsornats der römisch-deutschen Kaiser. Sie sind ein Beispiel für die aufwendige Handwerkskunst und den symbolischen Reichtum, der mit den Reichskleinodien verbunden ist.
Die Krönungshandschuhe wurden um 1220 in der königlichen Werkstatt in Palermo hergestellt. Die Kleinodien sind aus roter Seide in Köper-Optik gefertigt und mit reichlichen Goldfäden bestickt. Die Oberseite der Handschuhe schmücken Rubine, Saphire, Amethysten, Granaten und Spinelle in verschiedenen Farbnuancen, die Motive besonderer mailplättchen erzählen von der Macht des Trägers. Alle Applikationen auf dem mit Goldranken besticktem Grund sind mit Hunderten von Flussperlen umrandet.
Die Innenseiten zeigen ebenfalls ein reiches Ornamentwerk in Goldstickerei. Mittig prangt ein auffliegender Adler mit Heiligenschein, dessen Kopf zum Handschuhdaumen hin gewendet ist. Es ist unbestritten, dass diese Krönungshandschuhe Friedrich II. zuzuordnen sind. Er war der Sohn der Konstanze von Sizilien und Heinrich VI.
Als Hochzeitsmitgift ihres Vaters, Roger II., brachte Konstanze den Krönungsmantel als wichtigen Teil der Reichskleinodien in die Staufer-Dynastie ein. Versehen war der königliche Radmantel u.a. mit den Symbolen zweier Löwen. Umso erstaunlicher ist es, dass Friedrich II. das römische Emblem des Adlers als Zeichen für kaiserliche Macht und Herrschaft fürKrö seine Krönungshandschuhe wählte.
Die Krönungshandschuhe „in progress“,- in Arbeit - eine Schwäbisch Gmünder Replik
2011 wurde sowohl mit der autorisierten Nachbildung des Krönungsmantels als auch mit der Planung für die Nachbildung der Krönungshandschuhe in der Gewandmeisterei des Staufersaga Vereins unter der Federführung von Gundi Mertens, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, begonnen.
Die Materialsuche für die Handschuhe gestaltete sich äußerst schwierig, denn die Handschuhe entstanden fast 100 Jahre später als der Krönungsmantel. Die hierfür gewonnenen Erkenntnisse waren für die Handschuhe nicht verwendbar. Das Material bestand zwar auch aus Seide, die Webart hatte jedoch einen anderen Charakter. Ursula Röttele vom Team Krönungshandschuhe setzte sich intensiv für die Beschaffung des Stoffes ein und wurde nach langer Suche in Bayern bei einer Weberin fündig.
Denis Ermert, der bereits die Goldstickerei (Punchen) des Krönungsmantels gefertigt hatte, übernahm das Anzeichnen der Musterkonturen mit einem Ton-in-Ton-farbenem Garn, entsprechend der Originalvorlage.
Ute Bundschuh zeichnet für die Gold- und Perlenstickerei und das Einsetzen der Edelsteine an der Replikation der Krönungshandschuhe verantwortlich. Sie ist eine begnadete Handarbeiterin und war die Gruppenleiterin der Stickgruppe des Krönungsmantel-Teams. Mit großer Hingabe und professionellem Können widmete sie sich der höchst anspruchsvollen Stickarbeit der Handschuhe „in progress“.
Zurzeit ruhen die Arbeiten an den Krönungshandschuhen, da die Beschaffung der fehlenden Edelsteine und Emails nur mit Spenden zu finanzieren wären.
Mit freundlicher Unterstützung von Museumsleiter Dr. Max Tillmann und Kuratorin Linnea Streit konnte Gundi Mertens die vier Stickerei-Fragmente als Exponat aufbauen und in einer Vitrine in der Schatzkammer installieren. Die Krönungshandschuhe „in progress“- in Arbeit- sind ab 14.09.2025 in der Schatzkammer im Prediger zu besichtigen.